Zum „Software Freedom Day“: Warum freie Software wichtig ist…

Software bestimmt unser Leben. Ob als Betriebssystem in Smartphones und Computern oder als Firmware diverser elektronischer Gebrauchsgegenstände vom schnöden Kühlschrank bis zum modernen Auto – Software ist in unserem Alltag allgegenwärtig im Einsatz.

Heute, am 15. September 2018 ist es wieder so weit: Wir schreiben wieder einmal den „Tag der freien Software“ (Software Freedom Day), an dem weltweit verteilt verschiedene selbstorganisierte Bildungsaktivitäten laufen, um die Bedeutung freier Software klarzustellen. Eine Übersicht zu den diesjährigen Aktivitäten findet sich hier:

Übersicht, SFD 2018: https://www.softwarefreedomday.org/map/index.php?year=201

Wir erinnern uns: WannaCry-Trojanerangriffe, bei denen in England komplette Krankenhäuser evakuiert werden mussten, der Skandal um die Wahlsoftware „PC-Wahl“ oder der kürzliche „Bundeshack“, bei dem über die proprietäre Software „Microsoft Outlook“ Regierungsrechner infiltriert werden konnten. Sie alle haben eine gemeinsame Ursache: Die flächendeckende Verwendung von Software, deren Funktion (Quellcode) wir nicht kennen und über die wir daher nur begrenzte Kontrolle haben (sogenannter „Vendor-Lock-In“, also der Umstand, dass eine einmal getroffene Entscheidung für ein Software-Produkt kaum wieder geändert werden kann). Das muss anders werden.

Erinnern wir uns an den kürzlich durch die Presse geisternden \“Bundeshack\“! Was war die Ursache? Microsoft Outlook. Eine proprietäre Closed Source Software eines amerikanischen Großkonzerns, die ganz offensichtlich sogar in sicherheitsrelevanten Bereichen zum Einsatz kommt. Und das vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Microsoft Produkte nach meinem Kenntnisstand ständig irgendwelche Datenpakete unbekannten Inhalts irgendwohin versenden – was aus Sicht bestehender Datenschutzüberlegungen kritisch zu sehen sein dürfte. Und wir erinnern uns – liebe Lindner-Partei – es war im Jahr 2011 ihr Kollege Westerwelle, der für die Etablierung von Microsoft-Produkten auch in diesen Bereichen gesorgt hat.

Aber kommen wir von der Bundes- auf die Kommunalebene: Ich gehe zum Stadtbüro und lasse mir dort einen neuen Biometrieausweis ausstellen. Was glauben Sie, was mit meinen Fingerabdrücken dort passiert? Die werden in irgendeiner Form als Datei gespeichert. Dasselbe gilt für mein Passfoto. Können wir ausschließen, dass die dort zum Einsatz kommende Software, deren Quellcode überhaupt niemand außer der Herstellerfirma kennt, diese sensiblen Daten nicht irgendwohin verschlüsselt abtransportiert?

Oder nehmen wir die Virenscanner, die auf allen Windowssystemen laufen – nicht nur in kommunalen Verwaltungen, sondern vermutlich auch daheim auf Ihrem Rechner: Erneut Closed Source Software, von der wir Null Ahnung haben, was sie eigentlich genau macht. Der müssen Sie zur Funktionstüchtigkeit zwingend Administratorrechte einräumen. Die Programme gehen ggf. automatisch ins Internet, um sich Updates zu holen. Wer weiß, was die noch alles an Informationen übertragen? Spätestens wenn Ihnen ihr Virenscanner freundlich grinsend mitteilt dass auf ihrem Rechner 144 unsichere Firefox-Passwörter gespeichert sind, sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Die Herstellerfirmen solcher Virenscannersoftware sitzen oft genug im Ausland: Tschechien (AVAST), Russland (Kaspersky), USA (McAfee). Woher wissen wir, was diese Software alles auf unseren Systemen und mit unseren Daten treibt? Genau. Wir wissen gar nichts. Und deshalb gehört diese Software vor allem von den kommunalen Systemen, auf denen unsere Bürgerdaten gespeichert sind, verbannt.

Ginge es nach Piraten, würde in öffentlichen Einrichtungen solche Software grundsätzlich nicht mehr zum Einsatz kommen. Konsistent mit diesem Ansatz sind Piraten in diversen Kommunalparlamenten seit Jahren damit beschäftigt, auf die Wichtigkeit dieses Problems hinzuweisen – gerade zu Zeiten ausufernder elektronischer Überwachungsmöglichkeiten und einer umfassenden Etablierung von eGovernment-Bestrebungen. Und mit Erfolg: In den ersten Parlamenten schaffen Piraten den Schulterschluss mit anderen Parteien und können in der Sache überzeugen, um über Städte- bzw. Landkreistage ein vernünftigeres Gesamtkonzept vorzulegen:

Originalvorlage:
https://owncloud.piratenpartei-hessen.de/s/NQbsE5yRjAxoxvz

Stadt Marburg (angenommen von PIRATEN, SPD, CDU , B90/Grüne, Die Linke):
https://owncloud.piratenpartei-hessen.de/s/84xg6sVSdynQli7

LandkreisMarburg-Biedenkopf (angenommen von: PIRATEN, SPD, CDU, B90/Grüne/Die Linke):
https://owncloud.piratenpartei-hessen.de/s/wEAMsLUZfSSRej8

Bitte kopieren und möglichst weiter verbessern, denn freie Software hat nicht nur Open Source zu sein, sondern geht gemäß ihrer Definition weit darüber hinaus. Das schließt sowohl ihren Einsatz zu beliebigen Zwecken ein, als auch die Freiheit, sie beliebig verändern und weitergeben zu dürfen.

Dr. Michael Weber, Politischer Geschäftsführer, Piratenpartei Hessen.